Skip to content

Informationssammlung Pflege Beispiel Essay

Autor/in: Renate-Arnsberg

Informationssammlung über eine Bewohnerin
(nach den AEDL`s)

1.1 Was ist eine Informationssammlung?

Informationssammlung ist die Grundlage, auf der die anderen Schritte des Pflegeprozesses aufbauen. Der Pflegeprozess setzt sich aus mehreren Einzelschritte zusammen (Regelkreis) er dient zur Unterstützung des Bewohners und zur Lösung seiner Probleme und Ressourcen. Die Vorgehensweise entspricht einer systematischen, Bewohner orientierten und geplanten Pflege. Sie ist der erste und wichtigste Schritt, gewinnt einen ersten Eindruck und stellt die Einschätzung der Bewohnersituation dar. Dieser beginnt mit der Pflegeanamnese und begründet sich auf eine ganzheitliche Sichtweise des Menschen. Die Informationssammlung (Biografie) ist eine individuelle Beschreibung der Lebensgeschichte eines jeden Menschen. Ihren Verlauf lässt sich in positiver und negative biografische Linien darstellen die wiederum in Lebensphasen (Kindheit, Jugend, Erwachsenenalter, Alter) und Passagen (Zeugung, Geburt, Pubertät) Jugendalter, Klimakterium, Tod) einen Einfluss auf den Lebensverlauf im negativen wie im positiven nehmen können, was wiederum Auswirkungen auf Berufs- und Beziehungsbiografie u.s.w . haben kann. Sie prägen somit die individuelle Identität eines jeden Menschen. Auch die Zeitgeschichte spielt eine große Rolle. Sie kann auf die Entwicklung eines jeden Menschen in positiver sowie negativer Richtung Einfluss nehmen.

Da die Arbeit mit und an der Lebensgeschichte eines Bewohners bei der stationären Betreuung in sehr unterschiedlichen Ausmaßen erforderlich sein kann, ist es wichtig eine Biografie (Informationssammlung) zu erstellen. Es sollten Gewohnheiten, Neigungen und Fähigkeiten im Bereiche der AEDL`s beobachtet und hinterfragt werden. Der individuelle Umgang mit dem Alter und der Krankheit sowie die soziale Situation haben ebenso Relevanz für die pflegerische Betreuung. Nur wenn wir Neigungen und Gewohnheiten kennen, können wir optimal pflegen und betreuen. Ziel einer Informationssammlung ist es, so viel wie möglich über den neuen Bewohner zu erfahren, damit er uns nicht   „fremd“ ist.

1.2 Erster Schritt der Informationssammlung

  • Aufnahmegespräch (Mittelpunkt der Informationssammlung) erster Kontakt
  • spontane Äußerungen des Bewohners und der Angehörigen im Gesprächsaustausch
  • gezieltes Befragen des Bewohners und der Angehörigen
  • Messen körperlicher Funktionen
  • Arztberichte, Einweisungspapier, Akten, Befunde

1.3 Warum ist einer Informationssammlung notwendig?

Informationen beeinflussen maßgeblich unser planen und handeln. Es werden Lebensgewohnheiten und Bedürfnisse erfasst, ohne diese keine geplante Pflege möglich. Pflegedokumentation, Organisation und Wohnungen scheint seine Pflegedokumentation Koordination bilden den Rahmen für die direkte Pflege was aus arbeitsorganisatorischer Sicht in der Pflege als fordernder Beziehung und Entwicklungsprozess gestalten lässt. Pflege gelingt umso besser, je mehr ich den Pflegebedürftigen fördere, was wiederum nur gelingen kann wenn man ein Konzept wie das von M.KROHWINKEL anwendet und die Vorzüge dessen versteht, wie z.B. praxisorientiert Lebens- und sich das zu Erfahrungsbereiche des einzelnen Bewohners orientiert (individuell) . Die Ressourcen

hierbei spielen eine große Rolle. Ziel ist das, dass der Mensch seine Bedürfnisse entwickeln kann und weiß wie er mit seinen Fähigkeiten (noch vorhandenen) umzugehen hat. Erst wenn der Mensch es nicht mehr kann, übernimmt es die Pflegekraft als Verantwortung, um stellvertretend das zu tun, was der hilfsbedürftige Mensch selbst tun würde, hätte er noch das Wissen,

den Willen oder die Kraft dazu. Deshalb ist es sehr wichtig gut zu beobachten und genau hinhören, damit alle die am Pflegeprozess beteiligt sind die Beziehungen sichern und gestalten, die Lebensaktivitäten realisieren und mit existenziellen Erfahrungen umgehen und sich dadurch entwickeln können.

das Aufnahmegespräch, der Mittelpunkt der Informationssammlung, soll Ängste vermindern (Infos an den Bewohner bezüglich pflegerischer Betreuung und Gelegenheit zur Vertrauensbasis). Es soll eine Sicherheit vermittelt werden, eine Möglichkeit zur Fragenstellung, Vorbeugung der Missverständnisse und ein gegenseitiges Kennen lernen (Pflegekräfte, Räumlichkeiten, Abläufe)

1.4. Ressourcen und Probleme

Definition: Ressourcen

sie sind individuelle Kräfte, Fähigkeiten um Möglichkeiten, die den Bewohner zur Förderung seines Heilungsprozesses oder zur Lebenskrisenbewältigung zur Verfügung stehen. Dies ist sehr wichtig für die Problembewältigung. Werte wie Motivation, Einsicht, Erkenntnis spielen dabei eine wichtige Rolle.

Äußere Ressourcen : Hilfsmittel, pflegegerechte Räume, positiver Beziehungen zu Menschen, Umgebung, Finanzen.

Innere Ressourcen : Lebenskraft, Werte wie Hoffnung, Humor, Kreativität, körperlicher, geistige, psychische Gesundheit .

Probleme:

Definition.: Beeinträchtigung oder Behinderung des Bewohners die man beseitigen oder lindern kann.

den Bereich beschreibend, indem das Defizit vorliegt, welche Beeinträchtigung vorliegt, wie sie sich äußert. Die Beeinträchtigung der Unabhängigkeit des Bewohners beschreibend: sachlich, verständlich.

Aktuelle : erkennbar, durch Fragen und Beobachtungen der Pflegekraft . Bewohner äußert es selbst. wichtig für Maßnahmen, sofort handeln, leicht festzustellen.

Potenzielle: mögliche Probleme, erkennen braucht Fachwissen, (Prophylaxe) können verhindert werden, leicht festzustellen.

Vermutete/verdeckte : vermutbar, durch Verhalten des Bewohners (Gefühlswelt, Biografie) schwierig zu erkennen.

Generelle: typische voraussehbare Probleme, die für alle unter gleichen Bedingungen Gefahr bedeuten.

1.5 Fragen die von Bedeutung sind

Die Informationssammlung hat starken Einfluss auf Zielsetzung und Pflegemaßnahmen. Die Informationssammlung wird fortwährend aktualisiert über den gesamten Aufenthalt. Sie setzt sich zusammen aus objektiven und subjektiven Daten.

Subjektive Daten : persönliche Gewohnheiten, Vorlieben, Abneigungen, fremd und Selbsteinschätzung, individuelle Gefühle.

Objektive Daten : Krankheitsverlauf, biografische Daten, Vitalzeichen, Größe,

Gewicht (messbar)

Lebensgeschichtliche Ereignisse, Beziehungen, Krisen. Was beeinflusste das Befinden positiv oder negativ. Was konnte im Leben verwirklicht werden. Soziales Umfeld, Hobbys, Fähigkeiten. Einschneidende Ereignisse (erfreuliche, bereichernde) Lebenskrisen (Trauer) Heimsituation, jetzige Befinden, Selbstbestimmung, Wünsche des alten Menschen an die Pflegeeinrichtungen.

Aus einer vernünftigen Informationssammlung kann eine professionelle Altenpflege aufgebaut werden, die aus Betreuung, Beratung, Begleitung und Dienstleistung besteht

2.0 Thema

2.1 Kurzbiographie ( Offenbarung des ganzen Leben)

Frau K. wurde am 27.4.22 als jüngstes Kind von zweien in Breslau, Schlesien, geboren. Ihr sechs Jahre älterer Bruder, mit dem Frau K. bis 1985 viele Reisen unternahm , verstarb 1985 an Krebs. Ihr Vater war Tischler ihre Mutter Hausfrau. Im Alter von fünf Jahren wanderte Frau K .` s Familie nach Brasilien aus. Doch für den Vater erfüllten sich die beruflichen Vorstellungen nicht den 1931 verstarb der Vater in Brasilien, Frau K. waren gerade mal neun Jahre alt als die Familie nach Deutschland zurückkehrte.Frau K. musste wegen dem frühen Tod des Vaters schon früh zum Lebensunterhalt der Familie mit beitragen.

Im Jahre 1941 mit 19 Jahren heiratete Frau K. einen Bauarbeiter mit dem sie drei Kinder bekam. Ihr erstes Kind, eine Tochter verstarb schon mit sieben Monaten. Ihr zweites Kind Ihr Sohn Harald verstarb 1985 an Speiseröhrenkrebs. Ihr dritter und jüngster Sohn, ist ihr einzigstes noch verbliebenes Kind, zudem Frau K. und dessen

Familie sieeinen guten Bezug heute noch hat. Frau K. musste in ihrer Ehe auch wiederum zum Lebensunterhalt beitragen, was sie 30 jahrelang in einer Maschinenfabrik auch tat. Deswegen hatte sie wenig Zeit für Familie und Freizeitaktivitäten. Sie liebte das Tanzen und ihren kleinen Schrebergarten, wenn ihr dafür Zeit übrig blieb . Auch strickte und häkelte Sie gerne.

Frau K. hatte eine schwere Kindheit und auch in der Familie einige Schicksalsschläge zu verkraften. Im Jahre 1976 unterzog sie sich einer Hüftoperation , 1991 stürzte sie schwer wobei sie sich einen Bruch der oberen Hüftschale zuzog und seitdem auf eine Gehilfe angewiesen ist. Im Jahre 2000 wurde sie an einem Blasenkarzinom operiert und auch ihr Mann verstarb mit 82 Jahren. Darauf folgte die Amputation des rechten Kleinzeh`s 2002, die erste Augenoperation am 8.4.03 und am anderen Auge (Grauer Star) am 6.10. 03

Im Februar 2003 zog Frau K. auf Grund ihrer Gehbehinderungen in das Altenheim Mina Sattler, wo sie sich bis heute noch nicht eingelebt hat. Die einzige Freude die Frau K. hat sind ihre beiden Enkel und die drei Urenkel.

Ärztliche
Diagnosen

Pflegerische
Diagnosen

Linksherz

dekompensation

Harninkontinent
Hypertensive Entgleisungzeitliche Orientierungs- Störung
HypertonieBenennungens-  Störungen
coronare Herzkrankheit
Amputation re. Kleinzeh
Diabetische Neuropathie
Blasen

karzinom

Diabetes mellitus Typ 2

2.2 INFORMATIONSSAMMLUNG (nach M.Krohwinkel  AEDL`s)

Kommunizieren können

Ressourcen

Rege Teilnahme am Weltgeschehen durch Fernsehen und Rundfunk ,: nimmt an Beschäftigungstherapien Teil, hat einen guten Kontakt zu ihrer Familie, ebenso zu Zimmernachbarin regelt den Tagesablauf selbstständig, Schmerzen und Unwohlsein teilt Frau K. uneingeschränkt mit,

Probleme

Frau K. zeigt zeitweise Wortfindungsstörungen und teilweise zeitlich desorientiert, füllt sich noch nicht heimisch und angenommen was sich in der Gesprächsführung wozu sie immer wieder eingeleitet werden muss, bemerkbar macht und auch ab und zu den Mitbewohnern aggressiv gegenübertritt

Sich bewegen können

Ressourcen

Frau K. kann zu Ruhezeiten ihre Lageveränderungen selbstständig vornehmen, sie nimmt an Beschäftigungstherapien teil, sie ist mobil mit Rollator, An-und Auskleiden sowie Körperpflege und Toilettengänge führt Frau K. Selbstständig aus

Probleme

Amputation des rechten Kleinzeh`s tragen von Spezialschuhen, sturzgefährdet (grauer Star, HüftÒP ,langsamer Gang

Vitale Funktionen aufrechterhalten können

Ressourcen

Frau K. Kann ihre Körpertemperatur selbstständig regeln, da sie ihre Kleidung wettermässig in selbstständig aussucht. Sie kann ihre Medikamente selbstständig einnehmen und versteht deren Notwendigkeit. Kennt ihre Grenzen der Belastbarkeit, selbstständige RR. Messung

Probleme

Durch die Atemnot (Linksherzdekompensation und Lungenödem) Einschränkungen in den Belastungen. Schwindel, Nykturie (nächtliches Wasserlassen) Hypertensive Entgleisung, Hypertonie ,KHK , Diabetes mellitus2 Diabetische Neuropathie.

Essen und trinken können

Ressourcen

Ernährungszustand ist in Ordnung, Frau K. hat guten Appetit, kann selbstständig ohne Schluckbeschwerden Essen und trinken, kann sich mit ihrer Diätkost abfinden, sucht selbstständig den Speisesaal zu den Mahlzeiten auf,

Probleme

Der Ort de sie brauchten nur weinend wuschen Unterstützung s Speisen löst bei Frau K Unbehagen aus (eigener Aussage) Nykturie,

Sich pflegen können

Ressourcen

Frau K. legt großen Wert auf Äußeres , sie braucht nur beim Duschen Unterstützung, waschen und kleiden kann sie selbstständig, äußert ihrer Schwiegertochter wann sie die Haare geschnitten haben möchte. Frau K. erkennt selbstständig veränderte Hautdefekte.

ihnen schon in

Probleme

Einschränkungen in den Bewegungsabläufen, schlechte Sicht, Sturzgefahr, Schwindel, Atemnot

Ausscheiden können

Ressourcen

Frau K. kann selbstständig Inkontinenzmaterial wechseln und Toilettengänge durchführen, Frau k. ist Stuhlkontinent, kann ihre Körpertemperatur gut regeln (schwitzen)

Probleme

Frau K ist Harninkontinent (Blasenkarzinom) Nykturie,

Sich kleiden können

Ressourcen

Frau K kann sich selbstständig wettermässig anziehen, legt Wert auf gepflegte Garderobe

Probleme

Das alleinige ankleiden nimmt Zeit in Anspruch

Ruhen und schlafen können

Ressourcen

Frau K. kennt ihren Schlafrhythmus, steht gern früh auf, um pünktlich ihr Frühstück einzunehmen.

Probleme

Frau K`s Schlafrhythmus ist durch die nächtliche Nykturie gestört, durch ihre Atemnot kann sie nur bei geöffnetem Fenster schlafen, muss ihre Grenzen der Belastbarkeit erkennen und ist deswegen eingeschränkt in ihren geregelten Tagesablauf.

Sich beschäftigen können

Ressourcen

Frau K nimmt an der Sitzgymnastik, Gedächtnistraining und Singkreis teil, handarbeitet gerne, gestaltet sich ihren Tagesrhythmus und Ablauf bedingt selbstständig sie schaut gern fern oder hört Radio. Mit ihrer Zimmernachbarin spielt sie Karten

Probleme

Sie hat Einschränkungen bei den Handarbeiten und Fernsehen (grauer Star)

Sich als Mann oder Frau fühlen können

Ressourcen

Frau K legt Wert auf ein gepflegtes Äußeres und lässt sich regelmäßig die Haare von ihrer Schwiegertochter machen

Probleme

Stimmungsschwankungen

Für eine sichere Umgebung sorgen können

Ressourcen

Frau K fühlt sich mit ihrer Hilfe (Rollator) sicher. Ihre Spezialschuhe geben ihr Halt. Sie versteht die Notwendigkeit der Einnahmen von Medikamenten sowie Insulinspritzen, ihre Familie gibt ihre Sicherheit (Sohn eine Vorsorgevollmacht erteilt)

Probleme

Zeitweise zeitlich desorientiert, Wortfindungsstörungen zeitweise, Augenerkrankung aufgrund Diabetes mellitus, sturzgefährdet

Soziale Bereiche des Lebens sichern können

Ressourcen

Gute Kontakte zu Sohn, Schwiegertochter, geht öfters außer Haus mit ihrer Familie essen, nimmt ihre Mahlzeiten im Speiseraum ein, spielt mit Zimmernachbarin Karten

Probleme

Hat sich mit der jetzigen Lebenssituation noch nicht abgefunden, körperliche und psychische Befindlichkeiten haben ein Klacks bekommen

Mit existentiellen Erfahrungen des Lebens umgehen können

Ressourcen

Frau K muss eine riesige Stärke in sich tragen, um so viel Leid Schicksalsschläge Tod und Trauer zu ertragen , wobei manch anderer Mensch daran zerbrochen wäre.

Probleme

Durch die schwere Kindheit selbst, der frühen Tod des Vaters, viele Kinderkrankheiten (z.B. TBC) den Verlust eigener zwei Kinder des Bruders und Ehemannes und die eigenen Krankheiten viel Wut und Ärger aufgestaut, was sich teilweise in Aggression oder eine tiefe Traurigkeit bemerkbar macht

3.0 FAZIT

Als Pflegekraft bekomme ich so einen richtigen Zugang zu den alten Menschen und ihrer Lebensgeschichte.

Menschen und ihrer Lebensgeschichte. Das wiederum hilft mir, jeden einzelnen alten Menschen so verstehen und anzunehmen. Als Altenpfleger kann man die biografischen Daten nutzen, um die Ressourcen und Probleme, Defizite und Kompetenzen besser auszuwerten zu können und in der individuellen Betreuung und Pflege berücksichtigen. Ohne Informationen keine geplante Pflege. Das gegenseitiges Kennenlernen wird erleichtert, Ängste werden vermindert, es wird eine Vertrauensbasis aufgebaut. Es gibt ein Gefühl von Sicherheit, man kann Missverständnissen vorbeugen. Die Informationssammlung ist eine Orientierung für die Pflegekraft. Man kann die Bewohner adäquater und individueller pflegen. Persönliche Lebensgewohnheiten, Abneigungen und Vorlieben kann man besser berücksichtigen. Bedürfnisse und Rituale kann man einhalten und weiterhin ermöglichen. Man verringert dadurch Probleme im Pflegeverlauf wie z. B. Einschlafstörungen (warum sind sie vorhanden ) . Eine korrekte dokumentierte Informationssammlung bedeutet Zeitersparnis und ermöglicht eine geplante nachweisbare Pflege für den Bewohner und Pflegekraft. Es wird die Ist-Situation transparenter, man gewinnt einen schnelleren Überblick und man kann geplanter pflegen, wenn man weiß, wo Probleme und Ressourcen liegen. Wobei die Ressourcen eine große Rolle spielen, um die Eigenständigkeit zu erhalten und fördern.

Diesen Beitrag teilen auf...

TwitterFacebookGoogle+

Inhaltsverzeichnis

Themenfindung

Themenwahl und Begründung

Zielsetzung

Anmerkungen zur Literaturrecherche

1. Grundlagen der professionellen Pflege
1.1. Trägerleitbild
1.2. Pflegeleitbild
1.3. Pflegetheorie

2. Der Pflegeprozess als Teil der professionellen Pflege
2.1. Definition des Pflegeprozesses
2.2. Vor- und Nachteile des Pflegeprozesses
2.3. Pflegeprozessmodelle
2.4. Pflegediagnose als Teil des Pflegeprozesses
2.5. Pflegevisite und Pflegeprozess

3. Definition der Patientenorientierung

4. Das Autonomierecht und die Privatsphäre des Patienten
4.1. Das Autonomierecht nach Bobbert
4.2. Die Privatsphäre des Patienten

5. Informationssammlung und Patientenorientierung
5.1. Zeitpunkt
5.2. Rämlichkeiten
5.3. Kommunikationsregeln für ein gelungenes Gespräch
5.4. Informationsnahme durch Pflegende
5.5. Informationsgabe an den Patienten
5.6. Weitere Informationsquellen
5.7. Kommunikationsschwierigkeiten

6. Durchführung von pflegerischer Maßnahmen und Patientenorientierung
6.1. Zeitpunkt
6.2. Ort
6.3. Durchführung
6.4. Recht auf Festlegung des Eigenwohls
6.5. Entziehen der Zustimmung

Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Themenfindung

Jeder Mensch wird durch Werte beeinflusst. Sie werden stark durch seine Sozialisation geprägt und begleiten ihn ein ganzes Leben lang. Überall trifft er auf moralisch relevante Idealvorstellungen, die ihn auf die eine oder andere Weise leiten. Auch das Fachgebiet der Pflege ist nicht wertfrei. Pflegeleitbilder, -theorien, -klassifikationen, -ziele, -standards oder auch Pflegeprobleme sind durch sie beeinflusst oder entstehen gar auf ihrer Grundlage (vgl. Bobbert, in Wiesemann et al., 2003, S. 89).

Da aber nicht alle Menschen in gleichem Maße sozialisiert werden und immer auch Faktoren wie beispielsweise kulturelle, soziale oder religiöse Aspekte eine Rolle spielen, versteht sich von selbst, dass Werte nie für jeden gleich bedeutsam sein können. Für die Pflege ergeben sich hier recht brisante Fragestellungen: Inwieweit können zum Beispiel unterschiedliche Ansätze zwischen Patient und Pflegenden berücksichtigt werden und ist das überhaupt Aufgabe der professionellen Pflege? Ist es legitim, dass Pflegende dem Patienten unter Umständen ihre Wertvorstellungen auferlegen (nach dem Motto: „Ich weiß besser, was für sie gut ist“)? Hat der Patient das Recht, sich aktiv in seine Behandlung einzubringen und nur Leistungen einzufordern, die mit seinen Werten konform sind?

Diesen und ähnlichen Fragen unter dem Aspekt professioneller Pflege nachzugehen und speziell in Verbindung mit dem Pflegeprozess zu betrachten, ist Inhalt dieser Hausarbeit. Dabei wird verstärkt die Informationssammlung sowie die konkrete Umsetzung geplanter pflegerischer Maßnahmen als Bestandteile des Pflegeprozesses beleuchtet. Zu Beginn wird dargestellt, was professionelle Pflege ausmacht und welche Bedeutung der Pflegeprozess dabei hat. Es werden verschiedene Prozessmodelle aus Sicht der Patientenorientierung miteinander verglichen und dabei eine geeignete Alternative herausgearbeitet. Anschließend wird darauf eingegangen, was Patientenorientierung, Autonomierecht und Privatheit des Pflegeempfängers beinhalten und versucht diese theoretischen Grundlagen auf konkrete praktische Bestandteile des Pflegeprozesses zu übertragen.

Ziel dieser Ausarbeitung ist darzustellen, wie Pflegende eine patientenorientierte Arbeitsweise im Rahmen der Informationssammlung und der Durchführung von Pflegemaßnahmen konkret umsetzen können und welche Grenzen der Patientenorientierung es gibt.

Ein Beitrag Monika Bobberts in „Pflege und Ethik“, sowie ihr Buch „ Patientenautonomie und Pflege - Begründung und Anwendung eines moralischen Rechts“ gaben bei der Auseinandersetzung mit dem Thema eine gute Orientierung und beeinflussten diese Arbeit maßgeblich. Des Weiteren liegen dieser Arbeit verschiedene Werke zu den Themen Kommunikation, Gesprächsführung und Pflegeprozess (siehe Literaturliste) zu Grunde.

In dieser Ausarbeitung werden aus Einfachheitsgründen ausschließlich Bezeichnungen wie Patient und Pflegender verwendet; sie schließen jedoch die weibliche Form mit ein und sollen keinen diskriminierenden Charakter haben.

1. Grundlagen der professionellen Pflege

Das Bild des Patienten befindet sich im Wandel. Von einem Ja-sagenden und passiven Pflegeempfänger entwickelt er sich zunehmend zu einem, der sich auch aktiv in seine Behandlungen einbringt und Maßnahmen hinterfragt. Er scheut sich auch immer weniger davor, Handlungen seitens der Ärzte und der Pflegenden in Frage zu stellen und unter Umständen auch an die Öffentlichkeit zu gehen. Dennoch schreiben 89,2 % der Bundesbürger Ärzten und dem Pflegepersonal eine hohe Verantwortung zu; 64,8 % würden sich selbst nicht zutrauen einen nahen Angehörigen zu pflegen (vgl. Dorschner, S. 3 f, 2006). Auch die Pflege selbst befindet sich in einer Art Emanzipationsprozess. Pflegende wollen nicht mehr länger lediglich Assistenztätigkeiten der Ärzte übernehmen, sondern sehen sich in einer eigenen selbständigen Profession.

Spätestens hier wird deutlich, dass sich die Pflege weiterentwickeln muss. Es reicht nicht mehr aus, eine ungeplante Pflege aus Überlieferungen und aus dem Gefühl heraus zu betreiben. Es ist notwendig eine qualifizierte und auch wissenschaftlich fundierte Grundlage für den Berufsstand der Pflege zu schaffen, die den Pflegenden Orientierung und Sicherheit geben kann. Dies setzt allerdings „…voraus, dass die Pflege ihre Tätigkeit klar definiert und beschreibt, dass sie den Pflegebedarf darlegt und begründet, und dass sie ihre Arbeit transparent und den Erfolg überprüfbar macht.“(Reimer, S. 79, 1998)

Der deutsche Pflegerat (DPR) versuchte dies in Zusammenarbeit mit seinen Mitgliedsverbänden umzusetzen und beschreibt die „ Professionelle Pflege“ in der Rahmenberufsordnung. Danach haben professionell Pflegende unter anderem die Pflicht:

- Ihren Beruf entsprechend dem allgemein anerkannten Stand pflegewissenschaftlicher, medizinischer und weiterer bezugswissenschaftlicher Erkenntnisse auszuüben
- Neutral zu sein
- Leistungsempfänger und deren Bezugspersonen zu beraten, anzuleiten und zu unterstützen
- Den Pflegebedarf festzustellen, die Pflege zu planen, zu organisieren, durchzuführen und zu dokumentieren
- Die Pflege zu evaluieren und die Qualität der Pflege zu sichern bzw. zu entwickeln

Was es im konkreten Fall bedeutet, nach pflegewissenschaftlichem Stand und bezugswissenschaftlichen Erkenntnissen zu arbeiten wird im Folgenden überblicksweise beschrieben.

1.1. Trägerleitbild

Um professionelle Pflege auszuführen, bedarf es zunächst einiger Rahmenbedingungen. So zum Beispiel muss die entsprechende Einrichtung über ein Trägerleitbild bzw. eine Unternehmensphilosophie verfügen. Hier werden grundlegende Aussagen über die Werte und Grundsätze eines Unternehmens getroffen. Sie sollen eine Handlungsorientierung für alle Mitarbeiter geben. Ziele, die sich aus gesetzlichen Grundlagen ergeben, sind ebenso Inhalt wie die zugrunde liegende Weltanschauung. Durch übergreifende Konzepte wird das Trägerleitbild in die Praxis implementiert.

1.2. Pflegeleitbild

Einen Teil des Trägerleitbildes stellt das Pflegeleitbild dar. Es beinhaltet relevante Grundaussagen für den Bereich der Pflege. „Das Pflegeleitbild enthält Aussagen über das zugrundeliegende Menschenbild, das Pflegeverständnis, das Selbstverständnis der Pflegeeinrichtung, die Sichtweise auf Bedürfnisse der Bewohner/innen und Mitarbeiter/innen, die Gestaltung der Pflege, die Pflegequalität und Notwendigkeit zur ständigen Verbesserung.“(Landespflegeausschuss Brandenburg, 2003, S.6)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1: Bausteine professioneller Pflege

Ein Pflegeleitbild bildet sozusagen einen groben Rahmen um die Pflege, der eine erste Orientierung ermöglicht, jedoch noch mit weiteren Strukturierungshilfen und Inhalten gefüllt werden muss (s. Abb. 1).

1.3. Pflegetheorie

Einen Inhalt stellt in dem Zusammenhang die Pflegetheorie dar. Bekel sagte 1999, dass die Pflegetheorien notwendig sind „um systematische und strukturierte Aussagen über den Gegenstandsbereich der Pflege und die daraus resultierende Phänomene zu treffen.“ Alle Pflegetheorien sind ganzheitlich orientiert, unterscheiden sich aber in ihren Erklärungsansätzen von Pflege. Zusammengefasst könnte man die Pflegetheorie also auch als einen Blickwinkel bezeichnen, von dem aus man die Pflege bzw. den Pflegeprozess betrachtet und sie unter diesen Aspekten in der Praxis auskleidet. Aus Sicht der Patientenorientierung erscheinen Interaktionsmodelle wie z. B. von Orlando oder Neumann sinnvoll. Im Zentrum der Interaktionsmodelle steht der Prozess der Pflege und die Kommunikation zwischen Klient und Pflegendem. Allerdings sind auch Bedürfnistheorien wie zum Beispiel die von Orem und Krohwinkel denkbar. Krohwinkel legt besonderen Wert auf die Mitbestimmung des Patienten. Sie betont durchgehend: „(…) Pflege ist ausgerichtet auf die Förderung von Fähigkeiten der pflegebedürftigen Person (…) in den für sie wesentlichen AEDL- Bereichen“(Krohwinkel 1998, S. 152, in Pflege und Ethik, Bobbert 2003, S. 99). Der Vorteil der Bedürfnismodelle besteht häufig darin, dass nach ihrem Vorbild verfasste Erhebungsbögen nach einer Art Checkliste aufgebaut sind und somit gerade für Berufseinsteiger eine sinnvolle Unterstützung sein können. Eine weitere Vertiefung zum Thema Pflegetheorien erscheint an dieser Stelle nicht angebracht, da es sich in diesem Rahmen lediglich um einen kurzen Überblick handeln soll.

2.Der Pflegeprozess als Teil der professionellen Pflege

2.1 Definition des Pflegeprozesses

Ein weiterer Baustein professioneller Pflege und Kernbestandteil dieser Arbeit ist der Pflegeprozess. Er bezeichnet ein Instrument, mit dem es möglich ist, Pflege in systematischer Art und Weise zu planen und auch durchzuführen. Der Pflegeprozess dient zur Problemlösung, stellt aber zugleich oft auch einen Beziehungsprozess dar. Er ist dynamisch. Zum einen passt er sich den wissenschaftlichen Erkenntnissen an. Zum anderen unterliegt er immer wieder Veränderungen, die durch die Ergebnisse des Prozessschrittes Evaluation bzw. Wirkung begründet sind. Maßnahmen, die geplant und am Patienten durchgeführt wurden, werden auf ihr Ergebnis hin überprüft. Stellt sich der erwünschte Erfolg nicht ein, so wird der gesamte Prozess nochmals evaluiert und ggf. andere Maßnahmen ergriffen. Das in Deutschland weit verbreitete Pflegeprozessmodell der Schweizerinnen Fiechter und Meier aus dem Jahre 1981 besagt, dass:

„ Der Pflegeprozess zum Ziel (hat), auf systematische Art und Weise dem Bedürfnis des Patienten nach pflegerischer Betreuung zu entsprechen. Der Pflegeprozess (...) aus einer Reihe von logischen, voneinander abhängigenüberlegungs-, Entscheidungs- und Handlungsschritten, die auf eine Problemlösung, also auf ein Ziel hin ausgerichtet sind und im Sinne eines Regelkreises einen Rückkoppelungseffekt (Feedback) in Form von Beurteilung und Neuanpassung enthalten. “

(Fiechter und Meier, 1998, S.19)

Fiechter und Meier erwähnen hier zwar, dass die einzelnen Prozessschritte in Abhängigkeit stehen, gehen jedoch nicht explizit auf jeden einzelnen ein. Die Dynamik des Modells wird durch das Wort Neuanpassung verdeutlicht. Die Beziehung zwischen Patient und Pflegendem wird nicht explizit erwähnt. Ebenso wird nicht verdeutlicht, inwieweit der Patient in die Pflege miteinbezogen wird. Der Pflegeprozess wird hier eher als Problemlösungsprozess betrachtet, wenngleich die beiden Expertinnen an anderer Stelle (Fiechter und Meier, 1981, S.31) sagen, dass der Pflegeprozess immer aus einem Problemlösungsprozess (siehe Zitat oben) und einem Beziehungsprozess besteht.

"Pflege ist ein zwischenmenschlicher Beziehungsprozess, bei dem zwei Personen (Pflegender und Gepflegter) zueinander in Kontakt treten, um ein gemeinsames Ziel, das Pflegeziel, zu erreichen". Obwohl noch eine Vielzahl weiterer Definitionen zum Prozess der Pflege existieren, wird hier nicht näher darauf eingegangen. Vielmehr erscheinen an dieser Stelle Überlegungen zu den Vor- und Nachteilen des Pflegeprozesses sinnvoll.

2.2. Vor- und Nachteile des Pflegeprozesses

In der pflegerischen Praxis ergeben sich häufig Fragen nach dem Sinn und Zweck theoriegeleiteten Arbeitens oder der Anwendung des Pflegeprozesses. Gerade in Zeiten der Einsparungen, die oft durch massiven Pflegekräftemängel gekennzeichnet sind, ist hier allzu oft nur schwer nachvollziehbar, warum die wenige noch für die Pflege des Patienten verbleibende Zeit für die umfassende Planung oder auch Dokumentation von Maßnahmen verwendet werden soll. In der folgenden Tabelle können die Vor- und Nachteile des Pflegeprozesses zur Verdeutlichung dienen (Abb. 2.).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Vor- und Nachteile des Pflegeprozesses

Leider wird Pflegenden die Arbeit mit dem Pflegeprozess in ihren Einrichtungen oft nicht als Baustein „professioneller Pflege“ näher gebracht, sondern häufig durch Druckmittel „aufgezwungen“. Dies passiert z. B., wenn die Anwendung des Prozesses lediglich durch gesetzliche Vorschriften begründet oder als Nachweis für die einzelnen Kostenträger angesehen wird. Es liegt auf der Hand, dass solche Versuche, den Pflegeprozess in das pflegerische Handeln zu integrieren, zum Scheitern verurteilt sind.

Hier wird ersichtlich, dass umfangreiche Schulungen für Pflegende unerlässlich sind, um ein grundlegendes Verständnis für die „professionelle Pflege“ und deren Bausteine (s. Abb. 1) zu gewinnen und die Motivation Pflegender zu fördern.

Trotz des engen Finanzierungsplanes ist an dieser Stelle die Geschicklichkeit der Institutionen gefragt, um im Sinne einer qualifizierten und „professionellen Pflege“ auch mehr Planstellen zu schaffen und somit die Umsetzung des Pflegeprozesses zu erleichtern. Denn:

„ Die Abschaffung des Pflegeprozesses schafft mehr Probleme, weil damit der Pflege jegliche Begründungsebene und im weitesten Sinne auch die Eigenständigkeit entzogen wäre “ . (Schrems 2006, S. 50)

2.3. Pflegeprozessmodelle

Basis des vierstufigen Modells „nursing process“ von Yura und Walsh 1967 war die Bedürfnistheorie Maslows. Es diente der WHO als Grundlage, als sie im Jahre 1987 ihr Pflegeprozessmodell einführte. Es ist bis heute das wohl international bekannteste und am weitesten verbreitete Modell und besteht aus den 4 Prozessschritten Datensammlung (Feststellung des Pflegebedarfs des Patienten/ Klienten), Pflegeplanung, Durchführung des Pflegeplanes und der Erfolgskontrolle/ Feedback

Datensammlung Pflegeplanung Durchführung Erfolgskontrolle

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Pflegeprozessmodell nach WHO

In Deutschland wurde der Pflegeprozess erstmals 1976 als „ ProblemerkennenProblemlösen-Methode“ von Liane Juchli angewandt. Zwischenzeitlich entwickelten sich eine Vielzahl von Pflegeprozessmodellen, die sich inhaltlich ähneln, aber in der Anzahl der Prozessschritte variieren. Es existieren vier-, fünf- und sechsstufige Modelle. Das in Deutschland wohl bekannteste ist das Prozessmodell von Verena Fiechter und Martha Meier (1981). Es setzt sich aus sechs Prozessschritten zusammen und wird in der folgenden Abbildung als Regelkreis dargestellt.

Wie eingangs erwähnt (S. 5), sehen Fiechter und Meier den Pflegeprozess zum einen als einen 6-schrittigen Problemlösungsprozess, zugleich aber auch als einen Beziehungsprozess an. Sie sagen:

„ Der Problemlösungsprozess wird erst wirksam durch die Qualität der Beziehung, die zwischen Schwester und Patient zustande kommt “ . (Fiechter und Meier 1998, S. 21)

Eine qualitativ gute Beziehung führt zu einer vertrauensvollen Atmosphäre und fördert so das Wohlbefinden des Patienten. Weniger Unsicherheit und Stress wirken sich auch förderlich auf die Genesung aus. Der Patient fühlt sich ernst genommen und akzeptiert und wird nach Möglichkeit in die Planung seiner Pflege einbezogen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Pflegeprozessmodell nach Fiechter und Meier (1998, S.19)

Er erhält Informationen, die ihn in die Lage versetzen, an seiner Pflege aktiv teilzuhaben, einer Behandlung zuzustimmen oder sie abzulehnen. Die Pflegeperson bekommt wiederum Informationen vom Pflegempfänger, die für die Erstellung eines geeigneten Pflegeplans nötig sind. Auch sie fühlt sich respektiert. Diese positive Basis ermöglicht eine effektive und für beide Seiten äußerst befriedigende Zusammenarbeit (vgl. Fiechter und Meier, 1998, S. 21).

Die Beziehung zwischen Klient und Pflegendem hat demnach einen herausragenden Charakter. Allgemein gelten die beiden Pflegeexpertinnen als bedeutende Verfechter der Patientenorientierung, was gerade in dieser Ausarbeitung von besonderer Bedeutung ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Der Beziehungsprozess von Fiechter und Meier (1998, S.21)

Ihr Pflegeprozessmodell orientiert sich am Pflegemodell Roper, Logan und Tierneys, was auch begriffliche Übereinstimmungen erklärt.

Fiechter und Meier lehnen jedoch das Erstellen von Pflegediagnosen mit Hilfe von Klassifikationssystemen im Rahmen des Pflegeprozesses ab, da es nach ihrer Meinung die Kreativität der Pflegenden einschränkt und einer individuellen und ganzheitlichen Sichtweise widerspricht. Als Pflegediagnose bezeichnen sie vielmehr das Resultat aus der Bestimmung von Ressourcen und Problemen. Die einzelnen Planungs- und Handlungsschritte sollen nach ihrer Meinung ausschließlich induktiv erstellt werden, d.h. auf Erfahrungen und theoretischem Hintergrundwissen der Pflegepersonen basieren.

Dabei ist fraglich, ob diese Erwartungen die Fähigkeiten Pflegender übersteigen. Eine Studie des Institutes für angewandte Pflegeforschung (iap) ergab, dass Pflegepersonen zwar häufig über umfangreiches Wissen verfügen, sie aber „Schwierigkeiten bei der Formulierung von Problemfeldern der Patienten“ und „insbesondere bei der Formulierung der erwarteten Pflegeergebnisse“ haben (Güttler et al., 2003, S. 157). Des Weiteren wird offensichtlich, dass weit mehr pflegerische Handlungen durchgeführt als geplant und dokumentiert werden. An diesem Punkt schließen sich Überlegungen an, ob die Anwendung des Pflegeprozesses nach Fiechter und Meier für Berufsanfänger, die nur über einen sehr begrenzten Erfahrungsschatz verfügen, überhaupt umsetzbar ist.

Ein weiteres anerkanntes Pflegeprozessmodell, welches die Pflegediagnose bereits beinhaltet, wurde 2007 von Brobst entwickelt. Es setzt sich aus fünf Prozessschritten zusammen. Die erste Phase ist das Pflegeassessment. Hier findet eine systematische Einschätzung des Gesundheitszustandes unter Einbeziehung verschiedener Assessmentinstumente (z.B. RAI oder MMSE) statt und führt in logischer Konsequenz zum zweiten Prozessschritt - der Pflegediagnose (wird in 2.4. noch genauer erläutert). Er wird gefolgt von der Pflegeplanung, der Pflegeimplementierung und der Pflegeevaluierung. Leider sieht Brobst ihr Pflegeprozessmodell lediglich als Problemlösungsprozess an. Die Beziehung zum Patienten scheint dabei zweitrangig zu sein. Deshalb empfiehlt es sich, aus Sicht der Patientenorientierung, eher nicht nach diesem Modell zu arbeiten.

Da die Pflegediagnose insgesamt sehr widersprüchlich diskutiert wird, befasst sich der folgende Abschnitt mit einer kurzen Erläuterung zu diesem Thema.

2.4.Pflegediagnose als Teil des Pflegeprozesses

Pflegediagnosen haben das Ziel in einer einheitlichen Fachsprache den Zustand des Patienten, aber auch sein Verhalten und seine Reaktionsmuster, die im Zusammenhang mit seiner Erkrankung stehen und ein Einschreiten der Pflegenden nötig machen, zu beschreiben.

Abderhalden beschrieb 1995 die Pflegediagnose als „ ( … )eine möglichst kurze, prägnant formulierte, fachlich fundierte, auf systematisch erhobenen, subjektiven und objektiven Daten abgestützte Charakterisierung und Beurteilung der pflegerelevanten Probleme/Ressourcen von Pflegeempfängern/-innen, welche so differenziert ist, das sie Fachpersonen aus der Pflege wesentliche Anhaltspunkteüber Art und Ausmaßdes Pflegebedarfs liefert und eventuell als grobe Handlungsorientierung dienen kann “ .

Um Pflegediagnosen einheitlich erstellen zu können, bedarf es jedoch Klassifikationssysteme. Sie unterteilen sich in jene für pflegediagnostische Prozesse (z. B. NANDA, ICNP), für Pflegeinterventionen (z. B. NIC, ICNP) und für die Pflegeergebnisse (z. B. NOC, ICNP).

[...]